Um was es geht

In den über 15 Jahren als Berater und Prozess- und Methodenentwickler in der Automobil- und Nutzfahrzeug­entwicklung habe ich mich immer wieder gefragt, weshalb logisch erscheinende Systeme, Methoden und Tools, wie beispielsweise die zeichnungsfreie Produktentwicklung (Bemaßung am 3D-Bauteil) oder das Product-Lifecycle-Management (PLM) in der Cloud – und somit vollständige Digitale Zwillinge – sich so schwer umsetzen lassen. Heute habe ich eine Antwort.

Ein digitaler Zwilling ist ein virtuelles Abbild Ihrer Produkte, Ihrer Produktion oder Ihrer Performance. Digitale Zwillinge ermöglichen eine nahtlose Verknüpfung der einzelnen Prozessschritte und steigern so die Effizienz um bis zu 30 Prozent.

Erhalt und Steigerung Ihrer Wettbewerbsfähigkeit

Entwicklung und Vervollständigung Digitaler Zwillinge steigern durchgängig die Effizienz, minimieren die Fehlerquote, verkürzen die Entwicklungszyklen und eröffnen außerdem neue Geschäfts­möglichkeiten – sorgen also für eine nachhaltig gesteigerte Wettbewerbs­fähigkeit. Über ein durchgängiges Engineering bis tief in die Fertigung beispielsweise kann die Effizienz bis zu 30% gesteigert werden.

Digitale Zwillinge sind jedoch wenig verbreitet und sehr oft unvollständig

Daten werden von Menschen erzeugt. Das aktuelle Befinden, die Interessen und Bedürfnisse der beteiligten Menschen haben einen entscheidenden Einfluss auf Informationsgehalt, Qualität und Vollständigkeit von Daten.

Datenvollständigkeitein von virtuellen Zwillingen beim Bau von Fahrzeugen, Schiffen, Flugzeugen oder auch Maschinen können technisch, über Anordnungen der Geschäftsleitung, eine Task Force oder externe Beratungen nicht erzwungen werden.

Das Scheitern externer Beratung

Der sogenannte Taylorismus (nach Frederic Taylor, 1856–1915) ist immer noch tief verwurzelt in den Management-Praktiken:

„Die Planung und die Verbesserung der Arbeit sollte von der normalen Arbeit getrennt werden. Die Planungs- und Verbesserungsarbeit sollte von speziellen Leuten durchgeführt werden, die eine bessere Ausbildung haben, wohingegen die normale Arbeit durch Personen erfolgen kann, die meist ungebildet sind.“ (Quelle: Wikipedia)

Auswirkungen des Taylorismus: 70% des Potentials von Experten fließen in heimliche Aktivitäten und liegen damit brach. Lineare, parallel organisierte Beratungen zur Digitalisierung scheitern.

Datenvollständigkeit durch menschliche Zufriedenheit

Nach der Mindset Theorie Y von Douglas Mc Gregor (1960) nutzen Menschen Selbststeuerung und Selbstkontrolle für die Ziele, denen sie sich verpflichtet fühlen. Datenvollständigkeit entsteht durch menschliche Zufriedenheit (intrinsische Motivation) aller Expertinnen und Experten im Unternehmen.